pH- und EC-Wert in der Hydroponik richtig steuern

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In der Hydroponik gibt es keinen Boden, der Nährstoffe puffert. Alles, was deine Pflanzen brauchen, steckt in der Nährlösung – und zwei Werte entscheiden darüber, ob sie es auch aufnehmen können: der pH-Wert und der EC-Wert. Wer beide im Griff hat, hat den Anbau im Griff. Die Grundlagen dazu findest du in unserem Guide Hydroponik-Grundlagen.

Der pH-Wert: das Tor zur Nährstoffaufnahme

Der pH-Wert misst Säure oder Alkalität auf einer Skala von 0 bis 14 – 7 ist neutral, darunter sauer, darüber alkalisch. In der Hydroponik entscheidet er direkt darüber, wie gut deine Pflanzen Nährstoffe aufnehmen können. Ist er zu niedrig, werden manche Nährstoffe blockiert; ist er zu hoch, können andere nicht vollständig aufgenommen werden.

Der optimale Bereich liegt für die meisten Kulturen zwischen 5,5 und 6,5. Auch Wasserhärte und Zusammensetzung der Nährlösung wirken auf den pH-Wert ein – es kann also nötig sein, gezielt nachzuregeln.

pH messen und anpassen

Zum Messen nutzt du ein digitales pH-Messgerät, ein Testkit oder Teststreifen. Liegt der Wert daneben, korrigierst du ihn mit einem pH-Regulierer (Säure bzw. Base). Miss regelmäßig – nicht nur einmal beim Ansetzen.

pH-Messgerät kalibrieren

Ja, das ist nötig – sonst misst du präzise den falschen Wert. So gehst du vor:

  1. Pufferlösungen mit bekannten Werten bereitstellen (z. B. pH 4,0 und pH 7,0).
  2. Elektrode in die Pufferlösung tauchen.
  3. Messgerät auf den entsprechenden Wert einstellen.
  4. Genauigkeit mit der zweiten Pufferlösung gegenprüfen.

Faustregel: einfache Geräte wöchentlich kalibrieren, hochwertige Profigeräte monatlich – bei auffälligen Messwerten sofort.

pH-Zielwerte nach Pflanzenart

Salatart Optimaler pH-Wert
Kopfsalat, Römersalat, Eichblatt, Eisbergsalat, Lollo Rosso, Radicchio 5,5 – 6,5
Endiviensalat 5,8 – 6,5
Feldsalat, Rucola, Portulak, Spinat, Mangold 6,0 – 7,0
Kultur Optimaler pH-Wert
Tomaten (alle Sorten – Fruchtfarbe/-form spielt keine Rolle) 5,5 – 6,5
Gurke 5,5 – 6,5
Zucchini 5,8 – 6,5
Paprika 5,5 – 6,8
Küchenkräuter (Basilikum, Petersilie, Oregano, Thymian, Rosmarin, Minze, Salbei …) 5,5 – 7,0

Basilikum und Rosmarin mögen eher den unteren Bereich (5,5–6,0), Thymian und Oregano vertragen bis 7,0.

Der EC-Wert: die richtige Nährstoffkonzentration

Der EC-Wert (elektrischer Leitwert) misst, wie gut deine Lösung Strom leitet – und zeigt damit, wie viele gelöste Mineralien darin stecken. Gemessen wird in mS/cm.

Ist er zu hoch, erschwert die Salzkonzentration den Wurzeln die Wasseraufnahme (osmotischer Stress). Ist er zu niedrig, fehlen schlicht Nährstoffe.

EC messen und anpassen

Zu hoch? Mit klarem Wasser verdünnen. Zu niedrig? Nährstoffkonzentration erhöhen. Regelmäßig kontrollieren – der Wert steigt, wenn Pflanzen Wasser schneller aufnehmen als Nährstoffe.

EC-Messgerät kalibrieren

  • Vorbereitung: Elektrode mit demineralisiertem Wasser spülen und reinigen.
  • Kalibrierflüssigkeit: möglichst nah am Messbereich. Verbreiteter, NIST-rückführbarer Standard: 12,88 mS/cm – auch wenn deine Nährlösung meist bei 1–3 mS/cm liegt. Handbuch prüfen.
  • Durchführung: Elektrode eintauchen, ca. eine Minute stabilisieren lassen, ggf. auf den Sollwert einstellen.
  • Rhythmus: einfache Geräte wöchentlich, Profigeräte monatlich – zusätzlich nach Reinigung, Elektrodenwechsel oder längerer Nichtbenutzung.
  • Achtung: Kalibrierlösungen altern nach dem Öffnen – Verfallsdatum beachten und regelmäßig ersetzen.

EC-Zielwerte nach Pflanzenart

Salatart EC (mS/cm)
Baby-Leaf 0,8 – 1,2
Kopfsalat, Romana, Batavia, Eichblatt, Endivie, Lollo 1,0 – 1,5
Eissalat, Feldsalat, Zuckerhut, Radicchio, Löwenzahn 1,2 – 1,8
Tomaten – Wachstumsphase EC (mS/cm)
Sämling / Jungpflanze 1,0 – 1,5
Vegetatives Wachstum 2,0 – 2,5
Fruchtbildung 2,5 – 3,5
Weitere Kulturen EC (mS/cm)
Süße Gemüsepaprika 2,0 – 2,5
Scharfe Sorten (Chili, Peperoni, Jalapeño, Habanero) 2,0 – 3,0
Gurke 1,4 – 2,2
Zucchini 1,8 – 2,4
Basilikum 1,0 – 1,8

Bei Tomaten zählt die Wachstumsphase mehr als die Sorte. Scharfe Paprika vertragen tendenziell höhere Werte – manche erhöhen den EC in der Fruchtphase gezielt, weil das den Capsaicin-Gehalt (die Schärfe) verstärken kann.

Bonus: EC oder TDS?

Es gibt zwei gängige Messverfahren. EC (mS/cm bzw. µS/cm) ist in der Hydroponik Standard. TDS (Total Dissolved Solids, in ppm) misst stattdessen die Masse gelöster Feststoffe. Beide hängen zusammen – aber es gibt keinen einheitlichen Umrechnungsfaktor: Je nach Gerät wird mit 0,5 (NaCl-Skala) oder 0,7 (442-Skala) gerechnet. Vergleiche also nie blind Werte aus verschiedenen Quellen, ohne ins Handbuch zu schauen.

In der Praxis

Die sortengenauen Ziel-Werte für über 100 Pflanzen findest du in unserem Hydroponik-Wiki. Wenn du dir das Messen und Nachregeln erleichtern willst: Unser Pflanzenturm und der Table Tower kommen mit Starter-Set – und FLORA sagt dir, wann nachjustieren sinnvoll ist.

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